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Workshop zum IÖW/future-Ranking 2007

Am 21. Februar 2008 fand in Hannover der Workshop "Ein Hauch des Wandels: Nachhaltigkeitsreporting in Deutschland" zum future/IÖW-Ranking 2007 statt. Mehr als 60 Vertreter aus Unternehmen, Wissenschaft, Politik und Nichtregierungsorganisationen diskutierten dort über die Weiterentwicklung des Nachhaltigkeitsreportings.

In ihrem Grußwort betonte Yvonne Zwick vom Rat für Nachhaltige Entwicklung, der das Ranking 2007 gefördert hat, die Bedeutung von Transparenz: Unternehmen sollen offen und vergleichbar darstellen, was sie tun.

Das Ranking 2007: Ergebnisse und Trends

Es folgte die Präsentation der Untersuchungsmethode sowie zentraler Ergebnisse und Trends, die sich im Ranking 2007 abzeichneten, durch das Rankingteam (Esther Hoffmann und Jana Gebauer vom IÖW und Dr. Udo Westermann von future). Neben verschiedenen Trends (Ausbau des Internetreportings, Entwicklung von Key Performance Indicators, Zunahme der Berichterstattung zu Antikorruption) wurde vor allem deutlich, dass der Governance, sprich der Steuerung von Nachhaltigkeit in den Unternehmen ein immer größeres Gewicht zukommt.

Die Systematisierung der Strategieentwicklung darzustellen sei eine zentrale Herausforderung für die Berichtserstellung, so Jana Gebauer. Und für Dr. Udo Westermann gilt ein systematisches und ambitioniertes Nachhaltigkeitsprogramm als zentraler Prüfstein für einen glaubwürdigen und strategisch ausgerichteten Bericht.

Zur Weiterentwicklung des Rankings wurde von den Teilnehmern des Workshops vor allem die Überarbeitung und Weiterentwicklung der ökonomischen Kriterien bzw. jener Kriterien gefordert, die Aussagen machen über die volkswirtschaftliche Verantwortung und die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit.

  • Download der Präsentation: Das IÖW/future-Ranking der Nachhaltigkeitsberichte 2007 (Jana Gebauer, Esther Hoffmann Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), Dr. Udo Westermann future e.V. –verantwortung unternehmen (pdf)


Workshop "Anforderungen der Financial Community"

In der Diskussion zu den Anforderungen der Financial Community betonte Claudia Volk (SRI-Analystin bei der WestLB AG), dass für die Mainstream-Analysten die Frage nach der „Zukunftsfähigkeit“ von Unternehmen im Vordergrund stehe. Unter diesem Aspekt seien Aussagen zur Governance wichtiger als jene zu einzelnen sozialen und ökologischen Indikatoren. Auch Ursula Mathar (Bayer AG) unterstrich – insbesondere angesichts unterschiedlicher Geschäftsfelder im Konzern – die Bedeutung der zentralen Steuerung anhand von Commitments, Zielen und Reporting, und zwar basierend auf Compliance, Werten und gesellschaftlichen Anforderungen.

Volk empfahl, Extra-Financial-Indicators in konzentrierter Form in den Lagebericht aufzunehmen, um klassische Finanzanalysten für das Thema Nachhaltigkeit weiter zu sensibilisieren. Mathar stimmte dem zu und meinte, dass die Diskussion um den Klimawandel das Thema Nachhaltigkeit zunehmend zu einem Mainstream-Thema mache, das entsprechend im Lagebericht abgebildet sein sollte. Ausführliche Informationen sollten weiterhin im Nachhaltigkeitsbericht zu finden sein.

Als Fazit wurde festgehalten, dass Aussagen im Nachhaltigkeitsbericht nicht gänzlich quantifiziert werden können und qualitative Aussagen im Fokus der Nachhaltigkeit unverzichtbar sind.

  • „Möglichkeiten und Ziele von Nachhaltigkeitsberichterstattung aus Sicht eines Finanzanalysten“ (Claudia Volk, WestLB AG) (pdf)
  • „Die Anforderungen der Financial Community“ (Ursula Mathar, Bayer AG) (pdf)


Workshop "Vollständigkeit versus Wesentlichkeit"

Prof. Dr. Stefan Schaltegger (Universität Lüneburg) stellte eine kürzlich veröffentlichte Studie zur internetgestützten Nachhaltigkeitsberichterstattung der 30 DAX-Unternehmen vor. Eines der Ergebnisse: Die Unternehmen machen bisher kaum Gebrauch von den technischen Möglichkeiten des Mediums Internet. Beispielsweise werde das Potenzial, einzelne Zielgruppen direkt anzusprechen, nur selten genutzt. Zur Ermittlung wesentlicher Themen verwies Schaltegger auf den Kommunikationsansatz in angelsächsischen Ländern. Hier sei der Mut, sich auf neue Dinge einzulassen und offensiver in den Dialog mit den Stakeholdern zu treten, stärker ausgeprägt.

Tanja Castor (BASF SE) erklärte, dass die BASF bisher den klassischen Dialog mittels Stakeholderveranstaltungen zu relevanten Themen bevorzugt. Diese Veranstaltungen dienten auch zur Identifizierung zukünftiger Themen. Kritische Äußerungen und rege Diskussionen seien wichtige Beiträge, die beispielsweise in das Risikomanagement mit einfließen. Für die Materialitätsanalyse habe BASF ein Issue Management etabliert, mit dem regelmäßig die wichtigsten gesellschaftlichen, ökologischen und politischen Themen erhoben und bewertet würden.

Trotz der Online-Berichterstattung wird der gedruckte Bericht nach Auffassung von Castor nicht vollkommen verdrängt werden. Durch die schnellere Lesbarkeit und gute Handhabbarkeit bleibt der Printbericht weiterhin eine Visitenkarte des Unternehmens

  • "Potenziale der Internetberichterstattung" (Prof. Dr. Stefan Schaltegger, Centre for Sustainability Management an der Leuphana Universität Lüneburg) (pdf)
  • „Wesentlichkeit versus Vollständigkeit – das Internet als Ausweg!“ (Tanja Castor, BASF SE) (pdf)


Workshop "Berichterstattung und Stakeholderdialog"

Dr. Hans-Peter Meurer (RWE AG) sprach sich dafür aus, die Mitarbeiter des Unternehmens stärker einzubinden und deren Erfahrungsvorsprung gegenüber externen Stakeholdergruppen gezielter zu nutzen. Im ersten Schritt gehe es laut Meurer zunächst darum, die CR-Strategie des Unternehmens aufzubauen und dann in den weiterführenden Dialog mit den Stakeholdern zu treten.

Die Beteiligung von Stakeholdern an der Konzeption der Berichterstattung kann nach Auffassung von Christian Hochfeld (Öko-Institut e. V.) ein geeigneter Einstieg sein, um auch die Nachhaltigkeitsleistung der Unternehmen zu fördern. Seiner Meinung nach werden zunehmend auch Kunden zu zentralen Stakeholdern in Bezug auf die Nachhaltigkeits-performance. Um Ihre Anforderungen an die Unternehmen besser zu verstehen, können sie beispielsweise bei der Produktgestaltung und über Fokusgruppen eingebunden werden.

Herausgearbeitet wurde im Workshop, dass der Wert der Stakeholder-Beteiligung für die Unternehmen darin liegt, klarer die Herausforderungen und Handlungsfelder zu identifizieren, ein kritisches Korrektiv für die Planungen und Entscheidungen zu erhalten und insgesamt die Richtungssicherheit für das Unternehmen zu erhöhen.

Einig waren sich die Referenten darin, dass der Prozess der Stakeholder-Beteiligung eine langfristige Perspektive erfordert, die die Vertrauensbildung zwischen den Partnern ermöglicht. Voraussetzung hierfür ist, wechselseitig ein Verständnis der Nachhaltigkeitsproblematik sowie der Sprache und Handlungslogiken der Partner zu entwickeln. Der "optimale" Zeitpunkt der Beteiligung und breiten Kommunikation ist nicht pauschal zu bestimmen. Während eine zu späte Beteiligung unter Umständen Chancen der Früherkennung von Herausforderungen und Risiken vergibt, kann eine zu frühe Kommunikation den Vorwurf der Substanzlosigkeit und des Greenwashing nach sich ziehen.

  • „Berichterstattung und Stakeholderdialog“ (Christian Hochfeld, Öko-Institut e. V.) (pdf)
  • „Stakeholderbeteiligung: Erfahrungen und Anforderungen aus Sicht eines Unternehmens“ (Dr. Hans-Peter Meurer, RWE AG) (pdf)


Podiumsdiskussion "Transparanz als Treiber"

Die abschließende Podiumsdiskussion zwischen Dieter Horst (PricewaterhouseCoopers), Prof. Dr. Stefan Schaltegger (Universität Lüneburg), Dr. Hans-Peter Meurer (RWE AG) und Dr. Udo Westermann (future e.V.) widmete sich der Frage, wie gesellschaftliche Verantwortung und Nachhaltigkeit – jenseits reiner Kommunikation – glaubwürdig, zuverlässig und strategisch in das Unternehmen integriert werden können.

Horst betonte die Notwendigkeit einer stringenten Steuerung von Nachhaltigkeit/CR – nicht nur um einen glaubwürdigen und testierfähigen Bericht zu erstellen – und verwies auf einige dafür grundlegende Elemente wie Querschnittsgremien, Prozess- und Aufgabenbeschreibungen, definierte Kontroll- und Reportingfunktionen. Als Hindernis für eine breitere Umsetzung bezeichnete Prof.

Schaltegger die Tatsache, dass CR viel zu häufig noch „nice to have“ sei und das grundlegende Commitment fehle. Was auch daran liege, dass der Business Case vielfach noch nicht klar sein. Zwangsläufig entstünden hierdurch „Parallelwelten“, zwingend sei aber die Integration in das Management. Auch Dr. Meurer betonte, dass die Berücksichtigung der Kernprozesse und des Unternehmensnutzens Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung von CR im Unternehmen sei. Und genauso wichtig: Diejenigen, die in den Kernprozessen tätig sind, zu überzeugen und mitzunehmen. Hier hakte Dr. Westermann ein, der für die Integration von CR die Verstärkung der intrinsischen Motivation für wichtig hält, statt sich immer nur zu fragen, was die Stakeholder erwarten. Dazu müsse die Basis durch die Einbeziehung von CR in die Aus- und Weiterbildung der Führungskräfte gelegt werden.

Einig waren sich alle Teilnehmer darin, dass schon bald nicht mehr die Frage eines glaubwürdigen Berichts oder eines systematischen Managements im Vordergrund stehe, sondern danach, ob Nachhaltigkeit/CR in der Strategie „angekommen“ sei.

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